Annett ex GP's blog

Ein paar Gedankensplitter

 

Wams Morgenkunst: Schön dekorierte MüslischüsselSelbstverständlich fahre ich meine dritte Tourdenatur mit. Über eine Woche bin ich schon mit großer Freude, und auch mit Erschöpfung dabei, denn wir hatten etliche heiße Tage, ich meine jetzt die Temperatur.

Hier ein paar Gedankensplitter:

Wie ist es eigentlich mit der Pünktlichkeit? Geht es eigentlich pünktlich los mit so vielen Radlern? Na ja, so ungefähr schon.

Fragt mich eine Mitfahrerin bei einem Stopp: Weißt du, wann wir wieder los fahren? Ich blicke zur Uhr und sage „Ich glaube bald“. Da müssen wir beide herzlich lachen, denn es trifft irgendwie ins Schwarze.

Ich habe mir vorgenommen, bei dem Hallen-säubern mit zu helfen. Wenn wir unsere Gastgeber, meistens Schulen, verlassen, müssen sie sauber und besenrein sein. Um 9 Uhr soll die Halle leer sein, denn um 9.30 Uhr wollen wir pünktlich (?!!) los. In Freiburg sind wir zwei Nächte geblieben und bei all unserer Kreativität konnte ich mir nicht vorstellen, wie das möglich sein sollte. Bastelarbeiten im Vorraum und andere Dinge, die recht chaotisch und irgendwie doch liebevoll herumlagen, so etliche gefaltete Origamikraniche, aber auch Handys, Handtücher etc. Wie gut, dass es eine Fundkiste gibt.

Beim 2. Mal dabei - und schon ist es auch wieder vorbei für mich nach 10 Tagen

Heute, beim immer wieder aufkommendem Regen in Hamburg, denke ich mitfühlend und wehmütig an "meine" Mitradler von der Tour. Etliche schöne Erlebnisse, nachdenklich machende Vorträge und Informationen, bewegende Momente beim Durchfahren des Wesertunnels. Aber ach, alles reicht nicht an Worten um meine diesjährigen persönlichen Eindrücke zu schildern. Regelmäßig während der Tour zu schreiben, das habe ich einfach nicht geschafft. Es ist einfach so viel los, so viele Gespräche, Begegnungen und helfende Hände bei der Küchenarbeit sind auch gefragt. So ca. 150 Teller, Tassen, Löffel und Gabeln abzuwaschen, abzutrocknen, in passende Kisten einzusortieren, das ist schon ein Job, der in der Gemeinschaft wirklich Spaß macht. Was habe ich für Bilder im Kopf? Wie Wam, der Koch, morgens liebevoll die große Müslischale mit Früchten dekoriert. Da gab es auch ein Jubiläum bzw. zwei: zum 5. Mal bekocht Wam die Tour  (Danke Wam und dem Team!) und die Tour ist seit 25 Jahren unterwegs.

Ein Training in Toleranz, so drückte es eine Teilnehmerin aus. Ja, das ist die Tour auch. Eine Herausforderung für alle, dass sie wieder statt findet, dass der kleine Kreis der Organisatorinnen ausreichend groß ist. Diese bange Frage, wie es denn im nächsten Jahr wird, die habe ich oft gehört. Auch mir ist die Tour wichtig geworden.

Mir hat es viel Freude gemacht, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, wenn ich Flyer verteilt habe. Wenn z.B. eine Aktion in den Städten war und die Menschen in den kleineren Orten doch recht verdattert geguckt haben, welche Horde bunter Radler da einfällt. Ich hoffe, ich habe einige neugierig gemacht. Mir gefällt, die bunte Mischung von Alt und Jung, Single, Familien mit Kindern. Die Jugendlichen tun sich zusammen und die Familien unterstützen sich gegenseitig.

Das 2. Mal dabei - keine Anfängerin mehr

Trotzdem bin ich aufgeregt. Wen treffe ich wieder? Wie wird dieses Mal das Erleben sein? Na, die Bahnfahrt war schon aufregend genug, und in Leer die ersten bekannten Gesichter! Freude pur!

Und dann in Groningen/NL: das Fahrradparadies und es wird unglaubliches berichtet, z.B., dass die Ampelphasen für Radler kürzer sind, wenn es regnet!! Aber das muss mensch alles selbst erleben/erradeln.

Aber jetzt ist ja schon Montag und das Wetter ist immer noch gut. Heute ist der "Ruhetag", der angefüllt ist mit verschiedenen Workshops. Ich war mit auf Exkursion zur Beobachtung der bedrohen Wiesenweihe. Mit viel Enthusiasmus berichtete ein Mensch von seiner Arbeit. Ich habe sie nicht gesehen, aber den engagierten Mann zu erleben, das war schon super.

Verflixt, die Zeit reicht nicht, denn gleich gibt es einen Vortrag zur Emsvertiefung, und eine kurzer, kräftiger Regenschauer brachte den Zeitplan durcheinander.

Bis bald Annett

 

Abschied in Potsdam - eine kleine persönliche Rückschau

TourerinnerungenIch, als Neuling, dachte ja, dass mir eine Woche solch ein aktives Radeln genügen würde oder gar zu anstrengend sein könne, aber nun ist mein Herz doch ein wenig weh, als wir für alle Gehenden den irischen Reisesegen im Kreis singen und danach (fast) alle singend los radeln. Wam, unser Küchenchef, prophezeite uns, dass wir uns schon mittags zurücksehnen, wenn wir uns selbst ein leckeres Essen besorgen müssen. Ja, so war es denn auch, zumal die Havelregion ziemlich menschenleer ist. - Die vielen Eindrücke rasen in meinem Kopf noch hin und her. Ich begleite die Radler in Gedanken, schaue in das sog. Muttiheft, in dem für jeden Tag der Ablauf steht. Mir wird erst jetzt richtig bewusst, wie gut wir versorgt waren.

Wir kommen übrigens auf unserer eigenen Tour tatsächlich durch Rhinow und singen für uns das Tour-deNatur-Lied: Es fährt kein Zug nach Rhinow mehr... (So etwas steht alles im Tour-Liederbuch!)

Mein großer Dank gilt denen, die das so perfekt vorbereitet haben. Ich empfand das "Zeitmanagement" sprich Abfahrt, Pinkelpausen, lange Mittagspause, das Ankommen ziemlich perfekt. Was hatte ich mir Gedanken gemacht: Klappt das mit dem Duschen? - Ja, es funktioniert, ich habe tatsächlichwundersamer Weise nie anstehen müssen. Auch das Übernachten in einer Turnhalle ist gut möglich, weil alle miteinander respektvoll umgehen und ab 22 Uhr Ruhe ist; es ist sogar ein tolles Erlebnis. Werde ich mich unter so vielen Menschen wohl fühlen? Ja, durch das Mitmachen, durch die Aktivitäten, das Radfahren entstehen rasch schöne Kontakte. Das gemeinschaftliche Leben hat mich beeindruckt.

8. Tag - nur noch eine Nacht

Die letzte Nacht im Zelt war wieder frisch - und die Havel heute morgen auch. Anja hat es mir vorgemacht und überzeugt, wie wundervoll ein morgendliches Schwimmen ist. Beim Frühstück wärmen wir uns auf beim heißen Tee und der sanften Sonne. Der lang ersehnte Sommer kommt nämlich heute tatsächlich. Morgen, nach einer Nacht in Potsdam, wollen wir, mein Freund und ich, uns für ein paar Tage als normale Touristen durch die Gegend bewegen. Ohne die mir lieb gewordenen Menschen - wie wird es mir damit ergehen? Im Hinterkopf werde ich bestimmt die Stimmen, die Ansagen, die Aktionen und Begegnungen vermissen.

Jetzt zum Wochenende reisen einige ab und wir stellen uns im Kreis zusammen und singen den irischen Reisesegen. Diese Sitte gefällt mir sehr und bewegt mich.Und es kommen etliche neue Menschen hinzu. 183 waren bislang dabei!

Ja, und was auch auf so einer Tour de Natur passiert: Anja lädt uns ein, in ihrem Haus zu wohnen! Ich kann mich noch gut erinnern, als ich so ganz fremd ankam, und sich viele so freundlich begrüßt haben, ich mich gefragt habe, wie das für mich wohl sein wird - nun kann ich es mir etwas vorstellen! Danke allen schon einmal vorweg, denn ich werde bestimmt noch einen allerletzten Erlebnisbericht schreiben. Jetzt ist es dunkel, alle sind satt, die Kinder gehen zu Bett, die Älteren spielen noch und die "Alten" diskutieren, singen und genießen das bunte Miteinander.

 

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