Das war die Tour 2019

Hier lest ihr die Vorschau aller Blogeinträge zur Tour 2019 von Hamburg nach Stralsund in chronologischer Reihenfolge
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Zusätzlich gibt es noch den zusammenfassenden Jahresbericht.

 

Nach guter Nacht im Dorf Zierow brach die Tour de Natur zunächst in das Hafengebiet von Wismar auf, vorbei an der riesigen Schiffbauhalle der MV-Werft, in der Kreuzfahrtschiffe gebaut werden. Was unter ökologischen Gesichtspunkten von diesen beliebten Urlaubsreisen zu halten ist, wird von vielen Menschen ignoriert. Im Gegenteil: diese Branche boomt nach wie vor.

Zumindest einige technische Errungenschaften müssten endlich auch für diesen Schiffbau genutzt werden, insbesondere der Verzicht auf schwerölbefeuerte Motoren. Diese haben einen extrem hohen Schadstoffausstoß, der auch während der Liegezeiten in die Hafenstädte eingeblasen wird. Landstromversorgung wäre eigentlich ein Muss, aber darauf verzichten viele Hafenstädte, um mit niedrigen Liegekosten die Kreuzfahrer in ihre Häfen zu locken.

Ob die zumeist sehr essfreudigen Kreuzfahrer wissen, dass sie unterwegs auf dem Schiffsdeck einer starken Rußbelastung vom Schornstein ihres ,Dampfers‘ ausgesetzt sind, die sie von ihrem Nachbarn niemals akzeptieren würden? Und ob sie wissen möchten, dass die großen Mengen von Nahrungsmitteln, die sie trotz oben vierfachtäglicher Esslaune nicht verzehren, vernichtet werden? Aber Reisen bildet ja bekanntlich, und so ist es vielleicht doch nur ein Frage der Zeit, bis diese Umweltbildung ihre entscheidungsrelevante Wirkung entfaltet.

Ein Dampfer auf Kreuzfahrt (Foto: NABU)

 

Es sah am Morgen wie Hochnebel aus, bei milden 23 Grad. Jedoch: Der Himmel blieb untertags verhangen; es gab einige leichte Regenschauer, keine Sonne, hingegen durchweg Rückenwind und somit für das Radfahren gar nicht so schlechte, nach den heißen Vortagen eher sogar etwas erholsame Bedingungen.

Die Route verlief in Richtung Osten mit einigem Abstand zur Wasserfront. Den recht mondänen Badeort Kühlungsborn durchquerte die Tour de Natur nur in den Randbereichen. Zu sehen war jedoch eine der besonderen Verkehrsattraktionen der Region: „Molli“, die Mecklenburgische Bäderbahn, die zwischen Bad Doberan über Heiligendamm nach Kühlungsborn verkehrt, als Schmalspurbahn mit Dampflokbespannung.

Schon seit vielen Jahrzehnten hat diese Bahnstrecke keine Funktion mehr im ÖPNV, sondern „nur“ noch als touristische Attraktion. Eine interessante Frage müsste dazu beantwortet werden: Kann solch eine Kohlebefeuerung und weitgehend ungefilterte Rußemission ökologisch gerechtfertigt werden mit dem Argument, dass umsatzbringende Touristen attrahiert werden?

Die Mecklenburgische Bäderbahn „Molli“ weist die Tour de Natur vor ihre Schranken

Und gleiches tut der Gegenzug

 

Für die Strecke nach Bad Sülze benötigte die Tour de Natur einen guten halben Tag. Es ging immer geradeaus auf der Bundesstraße 110 in Richtung Osten. In Sanitz wurde eine längere Pause eingelegt.

Das Tourquartier befindet sich in der kleinen Stadt Bad Sülze und dort in dem schön hergerichteten Ensemble der Bildungsstätte Jambus des Diakonischen Bildungszentrums in Mecklenburg-Vorpommern. Die Recknitz wird hier mit einem Wehr gestaut. Ein an deren Ufer liegendes, schönes, weil mit schattenspendenden Bäumen bestandenes Areal wird als Campinggrund genutzt.

Bildungszentrum Jambus in Bad Sülze

 

Den starken Regenschauer vom gestrigen Abend hatten alle zeltenden Tourteilnehmer gut überstanden. So stiegen sie nach reichlichem Frühstück um 9:30 Uhr wieder auf die Räder, um in Richtung Ostsee, also nach Norden, durch die leicht gewellte und von vielen Gehölzen bestandene Landschaft zu radeln. Ein schönes Panorama!

Unterwegs im Recknitztal

Schon nach 10 km gab es eine attraktive Pausengelegenheit. Am Eixener See wurde angehalten, und etliche Tourteilnehmer nutzen die Gelegenheit für ein Bad und/oder für einen Blick von der Aussichtsplattform über die moorastigen Flächen, die das Recknitztal begleiten.

Pause am Eixener See

An dem noch sehr an die DDR-Architektur erinnernden Feuerwehrgebäude des Dorfes Löbnitz fand die Mittagspause statt.

 

Vom Quartier aus startete am Morgen eine Exkursion auf den Darß, dieses einzigartige Naturschutzgebiet zwischen dem Fischland im Westen und der Zingst im Osten, nördlich der Vorpommernschen Boddenlandschaft gelegen, bestanden von urwüchsigem Wald und zugleich mit den Stränden von Prerow eines der beliebtesten Urlaubsziele an der Ostsee, auch schon und ganz besonders zu DDR-Zeiten.

Die Etappe bis Prerow zu radeln, fand als gemeinsame Aktion mit der Bürgerinitiative „Keine Bahn ist keine Lösung“ statt. Etliche ihrer Mitglieder nahmen zusammen mit den Radlern der Tour de Natur daran teil. Den ersten Infostopp gab es am ehemaligen Bahnhof von Bresewitz, der weit außerhalb des Dorfes mitten in den morastigen Wiesen gelegen ist. Bei der Fahrt durch das Dorf fiel ein Banner auf, das gegen die Reaktivierung der Darßbahn votiert, mit dem Hinweis über übermäßige Kostenbelastung für das Dorf.

Die Tourteilnehmer hörten auf dem Bahnhofsgelände von Frau Schibilski, die wiederum für die Bürgerinitiative „Keine Bahn ist keine Lösung“ sprach, dass die BI keine gravierenden Hindernisse mehr sehe für eine Umsetzung des Projekts. Immerhin habe sogar eine Ortsbegehung mit dem Bahnvorstand Pofalla hier stattgefunden, der sich für eine Mitfinanzierung des Vorhabens durch die Bundesregierung ausgesprochen habe. Auf der Landesebene werde jedoch das Vorhaben nicht hinreichend energisch angegangen.

 

Ein wunderbar sonniger und warmer Morgen begrüßte die Tourteilnehmer, deren Zahl schon etwas kleiner geworden war, was man insbesondere am Müslitisch bemerken konnte. Das gelegentlich auch mal zum Gedränge sich entwickelnde Zugreifen blieb gänzlich aus. Also: Nach gelassenem Frühstück brach die Tour de Natur zu ihrer diesjährig letzten Etappe auf.

Die Route führte über kleine Landstraßen in Richtung Nordosten. Die Landschaft ist leicht gewellt, auf vielen Feldern ist das Getreide schon abgeerntet, der Raps steht noch vollreif und der auch hier anzutreffende Mais soll noch erheblich wachsen.

Die Tour de Natur unterwegs in Nordvorpommern

Eine erste kurze Rast wurde am Kranorama, der Beobachtungsstation für Kraniche, in der Nähe von Günz eingelegt. Jetzt, im Sommer, sind diese Gäste auf dieser Wiesenfläche nicht zu sehen. Die in dieser Region brütenden Kraniche legen ihre Nester versteckt an, vorzugsweise in Waldungen. Aber im Herbst, wenn sie sich zur Reise in die südlichen Länder versammeln, dann herrscht hier regstes Treiben.

Kurzaufenthalt am Kranorama in der Nähe von Günz