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Montag, 30.07.2018: Zehnter Tag der Tour de Natur – von Röblingen nach Halle (55 km)

Die Tour de Natur startete heute schon morgens bei höchstsommerlicher Hitze. In Richtung Saale verlief die Strecke, auf der ein etwas längerer Anstieg zu bewältigen war. Auf der Anhöhe angelangt gab es einen Info-Halt in den Feldern zur dort geplanten Trasse der A 143. Solch ein Halt in praller Sonne ist nicht gerade angenehm, aber gleichwohl interessant. Die Tourteilnehmer erfuhren, dass genau hier durch diese Feldmark, die ohne intensive Landwirtschaft inklusive Düngereinbringung eine Heidefläche wäre, die Autobahntrasse gebaut werden soll. Die Kosten für das nur 12 km Streckenstück liegen zwischen 250 und 340 Millionen Euro. Können wir uns das vorstellen: Für einen (in Zahlen: 1) Kilometer vierspurige Straße, deren Notwendigkeit mehr als fraglich ist, sollen 25 Millionen Euro ausgegeben werden? Das sind ungefähr die Kosten von zwei größeren Schulen oder vier großen Kindertagesstätten. Anstatt also 50 große Kitas zu finanzieren, sollen schützenswerte Muschelkalkhänge überbaut werden und Ackerflächen wie diese, auf der sich die Tour just befand, verschwinden. Wenn man hier steht und Radfahrer ist, kann man sich solch ein Vorhaben nur als Irrsinn erklären. Die Bürgerinitiative gegen diesen Autobahnbau wollte zusammen mit dem NABU ein Klageverfahren durchhalten, aber jener Naturschutzverband ist ausgestiegen, weil er die Klage für aussichtslos hält. Die Auflagen des Naturschutzes würden hinreichend erfüllt. Ist das nicht auch Irrsinn? Jetzt läuft eine private Klage wegen Geschäftsschädigung eines Unternehmers, der im Baugebiet eine Rohstofffirma (Förderung von Kaolin, Rohstoff für Porzellan) betreibt.

Sonntag, 29.07.2018: Neunter Tag der Tour de Natur – von Sangerhausen nach Röblingen (42 km)

Der Starkregen vom gestrigen Abend war vorüber, als es zum Frühstück ging. Zum Glück, denn bei Regen im Zelt zu campieren, das macht wenig Freude. Heute kündigte sich wieder ein sonniger, wenngleich am Vormittag nicht ganz so heißer Tag an. Das Trocknen der Zelte konnte auf den Abend zu verschoben werden; sie wurden in noch etwas feuchtem Zustand eingepackt. Dann startete die Tour de Natur mit einigen kleineren und größeren Steigungen, um schließlich in ein schönes Tal bei schier unendlicher Abfahrt hinab zu sausen. Unterwegs kamen wir an großen Obstanbaufeldern vorüber. Die dunkelroten Süßkirschen grüßten und mussten leider von uns an den Bäumen zurückgelassen werden. Auch die Apfelbäume tragen prächtig. Der gesamte Vormittag wurde für die Streckenfahrt beansprucht.

Unterwegs in den Obstplantagen

Die Mittagspause fand auf einem schattigen Platz unterhalb des Dorfes Wormleben statt, ganz in der Nähe der Rebhänge dieser Region. Hier liegen (noch?) die nördlichsten Weinanbaugebiete Deutschlands, die der Saale-Unstrut-Region zugerechnet werden.

Mittagspause in Wormleben

 

Mit Kleinkindern auf der Tour de Natur

Samstag, 28.07.2018: Achter Tag der Tour de Natur – von Nordhausen nach Sangerhausen (56 km)

Frühstück an diesem Morgen wie an jedem Morgen? Ja und nein. Es gab wiederum ein liebevoll zubereitetes Müsli mit Hafer- oder Sojamilch, dazu Bananenhälften und Äpfel. Oder Haferflockenmüsli. Zudem frisches Vollkornbrot mit zwei würzigen, von der Küche hergestellten Aufstrichen oder Marmeladen bzw. Nussmus. Dazu Kaffee, Getreidekaffee oder Schwarztee bzw. Kräutertee. Verzehrt werden konnte dies im Sitzen an Tischen bei morgendlich warmer Sommersonne. Das ist eigentlich nicht zu überbieten, jedenfalls für Tour de Naturteilnehmer.

Frühstücksmüsli auf der Tour de Natur – liebevoll zubereitet und präsentiert von Fläming Kitchen

Sehr zweckmäßig ist es, wenn man schon vor dem Frühstück, das um 8 Uhr ,eröffnet‘ wird, die Morgenwäsche bereits hinter sich und gepackt hat. Denn: Um 9:30 Uhr soll aufgebrochen werden. Und davor liegen noch diverse Tätigkeiten, z. B. das Säubern der Räumlichkeiten, die Unterstützung der Küche und zuletzt: das Aufstellen zur Abfahrt – eine nicht zu unterschätzende Aufgabe für eine riesige Radlergruppe und ein kritisches Ereignis für jene Tourmitglieder, für die Pünktlichkeit eine gelegentlich Variante ihres Alltags zu sein scheint. Aber wir müssen los, die Polizeieskorte wartet, fast alle Anderen warten auch, und das Tagesprogramm basiert auch auf der Voraussetzung, dass halb zehn doch wahrlich kein Frühstart ist.

Freitag, 27.07.2018: Siebter Tag der Tour de Natur – von Duderstadt nach Nordhausen (54 km)

Die Wegstrecke begann mit einem durchaus fordernden Anstieg. Gleich hinter Duderstadt musste hinaufgeradelt werden, um dann die sehr hügelige Landschaft des oberen Eichsfelds zu durchqueren. Der Anstieg wurde belohnt, mit herrlichen Ausblicken über die leuchtenden Getreideflächen und den Harz, dessen Bergkette im Norden anschließt. 

Es wurde wieder heiß, sehr heiß, und die reichliche Bevorratung mit Wasser erwies sich als dringend notwendig. Mit moderater Geschwindigkeit wurde geradelt, manchmal vielleicht zu langsam, aber halt stetig vorwärts. In dem Dorf Schiedungen fand die Mittagspause auf dem Sportplatz statt, leider ohne Toilettenanlage, aber mit Frischwasserversorgung durch die Küche. Auch wenn es heiß ist, Radfahren macht hungrig – das sah man am freudigen Verzehr von Gemüsesuppe, gemischtem Salat und frischem Brot mit würzigem oder süßem Aufstrich. Der nahegelegene Schiedunger See war leider nicht für das Baden nutzbar.

Für die mitreisenden Kleinkinder scheint die Radtour selbst bei heißer Witterung erträglich und in den Pausen vergnüglich zu sein. Man hört nur selten eines weinen oder schreien. Zumeist werden die Kleinkinder in Fahrradanhängern transportiert, in denen sie auch gern mal zwischendurch ein Schläfchen einlegen. Es gibt auch das Mitfahren im Kindersitz hinten und in diesem Jahr auch im Kindersitz vorn.

Momo mit Vater Daniel – beide beträchtlich Tour-de-Natur-erfahren (Foto von live-portraits, kassel)

Donnerstag, 26.07.2018: Sechster Tag der Tour de Natur – von Göttingen nach Duderstadt (39 km)

Die Wettervorhersage für den heutigen Tag war gut: kein Regen! Aber auch: Sonne mit 35 Grad im Schatten, für eine Radtour am Rande des Harzes hinein ins Eichsfeld doch ziemlich warm, eigentlich eher heiß, also eine ziemliche Herausforderung für die erste Etappe, die über eine Steigungsstrecke zum Dorf Waake führte. Die meisten Touries radelten mit moderater Geschwindigkeit bergauf, einige entschlossen sich zum Schieben, aber letztlich kamen alle „oben“ an und genossen dann die Abfahrt und die schönen Ausblicke auf die eindrucksvoll gegliederte, sehr hügelige Landschaft des Vorderharzes. 

Wenn, wie dies oft der Fall ist, die Landstraßen mit Alleebäumen bepflanzt sind, dann ergeben sich schöne Bilder. Wie eine Girlande zieren die Linden einen nur dadurch erkennbaren Straßenverlauf in ferner Hanglage. Die bereits abgeernteten Getreidefelder leuchten in fahlem Gelb. Und gelegentlich dann einige Pappelreihen, deren schlanke Gestalt an toskanische Landschaften erinnern.

Eichsfeld

Das Eichsfeld vor Duderstadt

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