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Abschied in Potsdam - eine kleine persönliche Rückschau

TourerinnerungenIch, als Neuling, dachte ja, dass mir eine Woche solch ein aktives Radeln genügen würde oder gar zu anstrengend sein könne, aber nun ist mein Herz doch ein wenig weh, als wir für alle Gehenden den irischen Reisesegen im Kreis singen und danach (fast) alle singend los radeln. Wam, unser Küchenchef, prophezeite uns, dass wir uns schon mittags zurücksehnen, wenn wir uns selbst ein leckeres Essen besorgen müssen. Ja, so war es denn auch, zumal die Havelregion ziemlich menschenleer ist. - Die vielen Eindrücke rasen in meinem Kopf noch hin und her. Ich begleite die Radler in Gedanken, schaue in das sog. Muttiheft, in dem für jeden Tag der Ablauf steht. Mir wird erst jetzt richtig bewusst, wie gut wir versorgt waren.

Wir kommen übrigens auf unserer eigenen Tour tatsächlich durch Rhinow und singen für uns das Tour-deNatur-Lied: Es fährt kein Zug nach Rhinow mehr... (So etwas steht alles im Tour-Liederbuch!)

Mein großer Dank gilt denen, die das so perfekt vorbereitet haben. Ich empfand das "Zeitmanagement" sprich Abfahrt, Pinkelpausen, lange Mittagspause, das Ankommen ziemlich perfekt. Was hatte ich mir Gedanken gemacht: Klappt das mit dem Duschen? - Ja, es funktioniert, ich habe tatsächlichwundersamer Weise nie anstehen müssen. Auch das Übernachten in einer Turnhalle ist gut möglich, weil alle miteinander respektvoll umgehen und ab 22 Uhr Ruhe ist; es ist sogar ein tolles Erlebnis. Werde ich mich unter so vielen Menschen wohl fühlen? Ja, durch das Mitmachen, durch die Aktivitäten, das Radfahren entstehen rasch schöne Kontakte. Das gemeinschaftliche Leben hat mich beeindruckt.

Vattenfall und Tagebaulandschaft

 

Überfreundlicher Empfang bei VattenfallsHeiß beginnt der heutige Tag, als wir uns auf die Räder zu Vattenfall begaben. Der Konzern bereitet uns einen scheinfreundlichen Empfang mit dem Spruch "Willkommen der Tour de Natur" und kühlen Getränken. Doch außer einem Grußwort hat der Kommunikationschef keine Argumente und Fakten. Die Tour präsentiert das Theaterstück "Gerichtsverhandlung - Braunkohle" und Protestlieder, aber auch zwei Lausitzer mit Redebeiträgen. Auch wenn Herr Roland von Vattenfall meinte, dass sich Vattenfall auf sachlicher Ebene bewegen würde, kamen überhaupt keine Entgegnung von Vattenfall - sind dem Konzern die Argumente ausgegangen? Medienvertreter von Funk und Fernsehen hatten sich angekündigt, sind jedoch der Kundgebung fern geblieben. Irgendwie enttäuschend. Vor dem Haus der Gewerkschaft hatten wir dann die Bezirksleiterin der IG BCE, die sich uns zur Diskussion stellte. Allerdings waren ihre Argumente nur die Arbeitsplätze, die es noch in der Braunkohle gibt und Braunkohle als notwendigen Bestandteil im Energiemix. Kein Wort zu den negativen Folgen, keine zu den Umsiedlungen und keine Ideen für einen Strukturwandel in den nächsten 15 Jahren in der Region.

Christian aus Braunschweig über die Aktion in Lübbenau - 5.8.2015

 

"Dorf um Dorf verschwindet, wo man Kohle findet", war der Refrain des RadlerInnen-Chores auf dem Marktplatz (von Lübbenau).

Beim Kaschieren der von Baggern zerwühlten Landschaft nimmt die Brandenburger Landespolitik enorme ökologische Schäden in Kauf. Landschaften mit alten Tagebauen werden oberflächlich durch neu geschaffene Seen "aufgehübscht" (Vattenfall und Co. stellen sich schon jetzt als Naturliebhaber dar), während andernorts ökologisch desaströse Landschaftsveränderungen durch das Umleiten des Spreewassers verursacht werden. Der grossflächige Kontakt mit tieferliegenden Bodenschichten macht das Spreewasser als Lebensraum, bzw. für die Nutzung duch Menschen in manchennRegionen schon heute weitgehend unbrauchbar.

Das Open Air-Theater stellte die gegensätzlichen Positionen dar: "Bruno Bagger", ein Lausitzer Baggerfahrer fordert stur und eindimensional, das sei (s)eine Arbeit, wie geschaffen für ihn; gut bezahlt - ausserdem könne er sonst nichts anderes - er habe immerhin noch hohe Schulden für Haus, Auto etc. abzuzahlen... ; Danach spricht ein Kind; für die künftigen Genertionen. Es sieht den künftigen Konflikt bis hin zu Kriegen um die letzten Umweltressourcen eskalieren.

Für diese Weitsicht, für die Lebensgrundlagen künftiger Generationen fährt die Tour den Natur zwei Wochen quer durch das Land.

 

 

Jugendblog von Verena - 4.8.2015

 

Der heutige Tag entwickelte sich zu einer Herausforderung. Noch letzte Woche haben wir uns sehnlichst wärmeres und trockeneres Wetter gewünscht, doch nun wo die Sonne auf uns herrunterbrennt, ist eine Erfrischung im Badesee zur Mittagspause ein Segen.

Nichtsdestotrotz hielt uns das nicht auf, unsere Meinung kund zu tun:

Auf dem Marktplatz in Beeskow sangen wir selbstgedichtete Lieder gegen Fracking und wurden informiert über die CCS Projekte.

Nachmittags hielten wir noch an einer Windmühle und bereiteten uns auf das letzte Stück der Etappe vor.

Angekommen im Quartier bestand noch die Möglichkeit zu den zwei nahegelegenen Seen baden zu fahren und das kühler werdende Wetter zu genießen.

Der Tag wurde abgerundet mit einem Vortrag über den Braunkohleabbau im Spreewald und Umgebung.

Des weiteren ist die Unterkunft trotz improvisierter Dusche sehr angenehm, was uns auch sehr gelegen kommt, da hier morgen unser Aktionstag stattfinden wird...

Lausitz zwischen Spreewald, Tierfabriken und Verockerung

durch den märchenhaften Spreewald zur KundgebungGestern konnten wir ein bisschen in Byhleguhre entspannen und uns mit den Planungen für 2016 befassen. Nachmittags ging es dann nach Lübbenau ins Herz des Spreewaldes. Auf dem Weg dahin konnten wir bei angenehmen Temperaturen die schöne Natur genießen und bekamen mit, dass der Radweg entlang der Wasserarme auch zahlreiche Radtouristen anlockt.

In der touristischen Hochburg des Spreewaldes führten wir das Theaterstück "Gerichtsverhandlung - Braunkohle" auf und forderten von der Stadt Lübbenau, sich mit uns für den schrittweisen Ausstieg der Lausitz aus der Braunkohle einzusetzen. Schon allein aus eigenem Interesse sollten die Spreewaldorte aktiv werden, denn bei der Flutung der alten ausgekohlten Tagebaue tritt Eisenocker aus und fließt in die Spree. Und mit der Verockerung ist die Natur des Spreewaldes und damit auch der sanfte Tourismus bedroht.

In der Nähe von Vetschau ist die Verockerung bereits voll im Gange, das Absetzbecken soll wenigstens einen Teil des Schlamms auffangen. Sieben Fließe, sind bereits stark vom Ockerschlamm zugesetzt. Deshalb setzten wir am Reudener Graben zusammen mit Greenpeace Cottbus mit einer Aktion ein Zeichen zur Rettung der Spree und gegen weitere Tagebaue.

Ein weiteres Thema sprachen wir auf dem Marktplatz in Vetschau an - die Tierfabriken, die in Tornitz, aber auch an anderen Standorten in der Lausitz entstehen sollen.

Ockerschlamm hautnah!

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