Ein paar Gedankensplitter

 

Wams Morgenkunst: Schön dekorierte MüslischüsselSelbstverständlich fahre ich meine dritte Tourdenatur mit. Über eine Woche bin ich schon mit großer Freude, und auch mit Erschöpfung dabei, denn wir hatten etliche heiße Tage, ich meine jetzt die Temperatur.

Hier ein paar Gedankensplitter:

Wie ist es eigentlich mit der Pünktlichkeit? Geht es eigentlich pünktlich los mit so vielen Radlern? Na ja, so ungefähr schon.

Fragt mich eine Mitfahrerin bei einem Stopp: Weißt du, wann wir wieder los fahren? Ich blicke zur Uhr und sage „Ich glaube bald“. Da müssen wir beide herzlich lachen, denn es trifft irgendwie ins Schwarze.

Ich habe mir vorgenommen, bei dem Hallen-säubern mit zu helfen. Wenn wir unsere Gastgeber, meistens Schulen, verlassen, müssen sie sauber und besenrein sein. Um 9 Uhr soll die Halle leer sein, denn um 9.30 Uhr wollen wir pünktlich (?!!) los. In Freiburg sind wir zwei Nächte geblieben und bei all unserer Kreativität konnte ich mir nicht vorstellen, wie das möglich sein sollte. Bastelarbeiten im Vorraum und andere Dinge, die recht chaotisch und irgendwie doch liebevoll herumlagen, so etliche gefaltete Origamikraniche, aber auch Handys, Handtücher etc. Wie gut, dass es eine Fundkiste gibt.

Weil es manchmal auch an Zeltplätzen mangelte, war Kreativität gefragt und es machte mir, nach dem ersten Schreck, viel Freude zu suchen und nachher zu schauen, wie erfindungsreich ein jeder von uns war. Weil es so schön warm ist, übernachten einige auch unter freiem Himmel – welch schönes Erlebnis.

Wäsche waschen und aufhängen, das erfordert auch Kreativität – ach, am besten ist es wirklich dies selbst zu erleben. Wo finde ich einen Sitzplatz um zu Essen? Ja, all dies sind Themen.

Was erfreut einen Tourdenaturer?

Wenn Wam, unser veganer Koch, morgens sagt: Meine Uhr ist 8 und die große Müslischüssel auf den Tisch stellt.

Z.B. eine Rast im Ort. Das öffentliche WC ein begehrter Ort. Freudige Ausrufe: Oh, was haben die für schöne Toiletten hier! Oder: Oh, es gibt ja 3 Toiletten.

In der ersten Woche war Sonja mit 1 Jahr und 3 Monaten die jüngste Mitfahrerin. Und sie zu beobachten, das war mir eine wahre Freude. Sie bekam ganz viel liebevolle Zuwendung.

Kind hält Tourflyer

Wie viel nimmt mensch eigentlich durchschnittlich zu – so fragte ich mich heute, denn das Essen ist wirklich hervorragend.

All die vielen kleinen und großen Begegnungen – ein schöner Austausch beim Nebeneinanderherfahren (nur zu zweit natürlich, damit unsere Ordner ungehindert vorbei fahren können)

Heute ist ein guter Tag, sagt meine Nachbarin. Wir haben schon viele Staus erzeugt!

Neben mir sagt jemand, er bräuchte eine Briefmarke. Ich gebe ihm die meinige. Tage später bräuchte ich eine und bekomme ebenfalls eine geschenkt! So funktioniert die Tour, denke ich da.

Wenn wir als bunter und lautstarker Tross durch ein Dorf fahren und ich die überraschten Gesichter sehe. Fleißig verteilen wir Flyer.

Mich erfreut und berührt immer das Abschiedssingen. Wenn jemand die Tour verlässt, versammeln sich etliche im Kreis und Singen den irischen Reisesegen.

Philosophieren morgens beim Duschen, ob veganes Pupsen eigentlich anders ist?!

Der bunte Abend ist ein besonderes Highlight. Was werden da plötzlich für Talente sichtbar! Ist das schön!

So, mittlerweile bin ich wieder zu Hause. Ich habe nicht zugenommen, aber ich betrachte meine Gelüste auf Käse und Schokolade – verflixt, es ging doch auch ohne!

So rufe ich: Danke an all diejenigen, die die Tour möglich machen, die dabei waren, und auch einen Dank an Karl Drais, auf dessen Spuren wir bei dieser Tour unterwegs waren.

Gesicht auf Steinboden mit Kohlestift und Pflanzen