Samstag, 3. August 2019, fünfzehnter Tag der TdN 2019: Barth – Stralsund (42 km)

 

Ein wunderbar sonniger und warmer Morgen begrüßte die Tourteilnehmer, deren Zahl schon etwas kleiner geworden war, was man insbesondere am Müslitisch bemerken konnte. Das gelegentlich auch mal zum Gedränge sich entwickelnde Zugreifen blieb gänzlich aus. Also: Nach gelassenem Frühstück brach die Tour de Natur zu ihrer diesjährig letzten Etappe auf.

Die Route führte über kleine Landstraßen in Richtung Nordosten. Die Landschaft ist leicht gewellt, auf vielen Feldern ist das Getreide schon abgeerntet, der Raps steht noch vollreif und der auch hier anzutreffende Mais soll noch erheblich wachsen.

Die Tour de Natur unterwegs in Nordvorpommern

Eine erste kurze Rast wurde am Kranorama, der Beobachtungsstation für Kraniche, in der Nähe von Günz eingelegt. Jetzt, im Sommer, sind diese Gäste auf dieser Wiesenfläche nicht zu sehen. Die in dieser Region brütenden Kraniche legen ihre Nester versteckt an, vorzugsweise in Waldungen. Aber im Herbst, wenn sie sich zur Reise in die südlichen Länder versammeln, dann herrscht hier regstes Treiben.

Kurzaufenthalt am Kranorama in der Nähe von Günz

Am NABU-Kranichzentrum in Groß Mohrdorf gab es einen längeren Infostopp. Hier lässt sich Interessantes über die Brutplätze und Neststandorte sowie über die Aufzucht der jungen Kraniche erfahren.

Infostopp am NABU-Kranichzentrum in Groß Mohrdorf

Die Mittagspause fand am Gutshaus in Parow statt. Wam Kat machte den Ernst der Lage klar: Dies sei die letzte Mittagsmahlzeit, die Fläming Kitchen für die Tour de Natur zubereitet habe – in diesem Jahr; im nächsten seien sie gern wieder dabei. Im nahegelegenen See konnte ein kühlendes Bad genommen werden.

Mittagsmahlzeit im Park am Gutshaus in Parow

Bei weiterhin herrlich sonnigem Wetter ging es dann recht flott über die letzten 6 km nach Stralsund und dort hin zum Marktplatz mit seiner hanseatischen Backsteinarchitektur. Hier richtete die Tour de Natur eine Kundgebung aus. Zunächst spielte das Tour de Natur-Orchester zum Tanz auf. Dann führte die Theatergruppe (nochmals) ihr amüsantes und gleichwohl ernstes Stück zum Plastikmüll in den Meeren auf. Es war zwar nicht Essenszeit in den Lokalen rund um den Marktplatz, aber den Zuschauern dort gab die Botschaft sicherlich zu denken.

Einfahrt der Tour de Natur auf den Marktplatz von Stralsund

Theaterstück zum Plastikmüll im Ostseefisch

Matthias informierte über die überbordende Nutzung von Plastik für Verpackung und Kleidung und den Verbleib dieses durchaus gesundheitsgefährdenden Materials nicht nur in den Meeren, sondern auch in unseren Flüssen und auf den hiesigen Äckern. Als Mikroplastik wandert unser Müll in unsere Nahrung ein und damit in unsere Körper. Eine weitere erhebliche Quelle von Nano- und Mikroplastik stammt aus dem Abrieb von Fahrzeugreifen, wobei ein nur extrem kleiner Anteil von Fahrradreifen stammt.

Eine Vertreterin der Umweltgewerkschaft forderte, dass für eine umweltschonende Lebensweise auch ein hinreichendes Einkommen notwendig ist. In unserem Sozialstaat wird dies einem beträchtlichen Teil der Bevölkerung verweigert, wenn Niedriglöhne gezahlt werden und Hartz-IV-Empfängern diese zu geringe Zuwendung erhalten.

Matthias informierte über Plastikmüll

Der BUND begrüßte die Tour de Natur in Stralsund und machte alle darauf aufmerksam, dass der Tourismus ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in dieser Region ist. Gleichwohl, Touristen sollten ihren Genuss der Natur im Einklang mit dieser gestalten, insbesondere wenn sie den schönen Ostseestrand besuchen. All ihre mitgebrachten Verpackungen und auch ihre Zigarettenkippen schaden dem, was sie erfreut, wenn sie diese am Strand zurücklassen. Deshalb: Vermeidet Müll, verwendet Mehrwegverpackungen und nehmt Euren mitgebrachten Müll wieder mit!

Informationsbeitrag des BUND

Auch der VCD meldete sich zu Wort und informierte darüber, dass der hiesige ADFC in den letzten Monaten – auch über die Presse – sehr eindringlich auf die vielen Radverkehrshindernisse und die unzureichende Radverkehrsinfrastruktur in Stralsund hingewiesen hat. VCD und ADFC fordern deshalb die politischen Mandatsträger und die Verwaltung auf, dem Autoverkehr nicht weiter die höchste Priorität einzuräumen, sondern sich auf eine umweltfreundliche Verkehrspolitik einzulassen und diese umzusetzen, indem sie den Radverkehr tatsächlich fördern.

Jugendliche Tour de Natur-Mitglieder an der Stralsundminiatur

Tour de Natur-Aktivist und Liegeradfahrer Alf wartet auf die Abfahrt


Gelegentlich entsteht die Berichterstattung für den Blog der Homepage schon von unterwegs, vor allem dann, wenn Karl-Heinz3 einen Espresso dazu trinken kann

Mit Gesang und Klingelkonzert zog die Tour de Natur durch die Fußgängerzone und radelte dann zum Quartier, dem nett eingerichteten JonaHort, der den Zeltern das gesamte weitläufige Außengelände zur Verfügung stellte. Bemerkenswert: Unweit ragt die neue Rügenbrücke auf, die den PKW-Touristen die Zufahrt auf die Insel Rügen ermöglicht und auf der Insel den Autoverkehr vermehrt.

Quartier nahe der Rügenbrücke

Nach dem (letzten) Abendessen – es gab Couscous mit Curry-Gemüse, dazu Salat – trugen die Tourteilnehmer die dritte Flatterulme über das Spiel- und jetzt Zeltgelände zu dem bereits ausgehobenen Pflanzloch, in das sie feierlich, auch ein wenig wehmütig, den Baum einsetzten und mit Erde sorgsam bedeckten.

Fritz schilderte nochmals, wie diese Idee entstanden ist, und er fügte hinzu, dass er sich während der zurückliegenden zwei Wochen doch sehr an die drei Ulmen gewöhnt habe. Es war nicht klar zu erkennen, aber es könnte daraufhin ein ganz leichtes und leises Rascheln der Ulmenblätter zu hören gewesen sein. Da stand sie also, unsere dritte und letzte Ulme. Und nun wurde sie besungen, mit dem Flatterulmenliebesliedchen und dem Lied über die drei Flatterulmen.

Einpflanzen der dritten Flatterulme im Außenbereich des JonaHort

Am Abend fand die allseits beliebte, weil lustige Versteigerung der Fundkisteninhalte statt. Danach gab es eine Ideensammlung für die nächste Tour de Natur. In diesem Sinne verabschiedeten die meisten Tourteilnehmer am Sonntagmorgen voneinander. Die meisten möchten wieder dabei sein, weil sie sich in dieser Gruppe doppelt am rechten Platz finden. Hier treffen sich nette Menschen, die sich im freundlichen Miteinander ebenso erproben wie in gemeinsamen politischen Aktionen für ihnen höchstwichtige Ziele. Der musikalisch und sprachlich wunderschöne Kanon, gelegentlich auf der Tour gesungen, gibt diese wieder:

Nach dieser Erde wäre da keine,
die eines Menschen Wohnung wär'.

Darum Menschen achtet und trachtet,
dass sie es bleibt.

Wem denn wäre sie ein Denkmal,
wenn sie still die Sonn' umtreibt?